Hallihallo,

nach einem 10 Stunden langen relativ unerholsamen Flug mit einem sehr netten Steward, der extra für uns das letzte vegetarische Essen organisierte, sind wir in Johannesburg gelandet, wo wir uns der ersten Passkontrolle stellen mussten. Die fand zu unserer Überraschung in nahezu fließendem Deutsch statt. Da wir ja direkt nach Windhoek weitergeflogen sind, hat der gute Herr uns allerdings nicht allzu genau kontrolliert und wir konnten noch ein paar Minuten den Johannesburger Flughafen mit seiner tollen Giraffe unsicher machen, bevor es in den Bus ging, der uns zum nächsten Flugzeug brachte. Mir ging es auf diesem Teil der Reise leider gar nicht gut, aber der Fensterplatz hat mich das bald vergessen lassen. Bei Abflug in Johannesburg mussten wir feststellen, dass Afrika tatsächlich gar nicht so anders aussieht. Mich persönlich hat es sogar eher an Amerika erinnert, nur dass es hier eben weniger Seen gibt.

Als ich das nächste Mal aufwachte, sah das allerdings schon ganz anders aus. Laut dem Piloten waren wir über Botswana und es war tatsächlich wie man es sich vorstellt: überall Steppe mit ein paar vertrockneten Wasserlöchern. Ansonsten weit und breit Nichts. So ging es dann weiter bis wir uns auch schon im Landeanflug auf Windhoek befanden. Ein Flughafen war nirgends zusehen und so landeten wir gefühlt im Nirgendwo.
Der erste Blick auf den Wildhoeker Flughafen war ziemlich überraschend. Ein relativ kleines Gebäude mit vielen Palmen. Auch der Weg zum Flughafengebäude selbst wäre wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt denkbar, denn wir sind tatsächlich zu Fuß gelaufen.
Nun wartete noch die schlussendlich “größte” Hürde auf uns: Immigration. Wie ich es hasse. Wohlwissend, dass wir kein Visum hatten, war mir natürlich noch unwohler. Als wir dann endlich an der Reihe waren, wurden wir von der nicht so freundlichen (Merkt euch das. Wie euch bestimmt noch auffallen wird, mit Freundlichkeit haben sie es hier nicht so, besonders die Leute von denen man es erwarten würde, weil es praktisch ihr Job ist.) Dame darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns getrennt anstellen müssen. In dem Moment passte uns das zwar nicht so recht, wie sich aber herausstellen sollte, war es nur zu unserem Besten.
Ich erklärte also der mürrischen Beamten, dass wir ein Auslandssemester an der Polytechnic machen und diese für uns auch ein Visum beantragt hat. Sie beharrte jedoch auf ihrer Meinung, dass wir nicht einreisen dürften, solange dieses Visum nicht fertig ist und überhaupt schien sie mir nicht zu glauben, dass wir das Visum schon im März/April beantragt haben. Als wüsste sie selbst nicht, dass die afrikanischen Behörden extrem langsam sein können. Bastian war mittlerweile an einem anderen Schalter und seine Beamtin diskutierte mit meiner durch die ganze Halle hindurch irgendetwas.. Letztendlich erzählte sie mir dann also, dass sie ja solo nett ist und uns ein Übergangsvisum für 15 Tage gibt. Puuh! Nun haben wir also die nächsten zwei Wochen Zeit um unser Visum vom Ministerium zu bekommen. Die Uni ist wohl auch zuversichtlich, dass das Anfang nächster Woche fertig ist. Also weiter Daumen drücken.
Auf zur nächsten Etappe: Koffer abholen und durch den Zoll bringen. Basti entschied sich, warum auch immer, den Beamten zu ignorieren, sodass ich ihm erklären durfte was in unseren Koffern ist und dass es tatsächlich alles für den Eigenbedarf ist. Als er dass fragte, war mir dann auch endlich klar, dass er auf unsere Unmengen von Sonnencreme etc. hinaus wollte. Dass hätte er ja auch gleich sagen können..
Nun gut als auch das geschafft war, gingen wir richtig Ausgang, wo wir auch direkt unseren Fahrer trafen und uns auf den Weg zum Hostel begaben.
Das erste, was uns auf der Fahrt begegnete, war ein Truck voller Tierfelle! Man konnte sogar die Löwen noch erkennen.. Im Laufe der Fahrt entdeckten wir dann noch ein Warzenschwein und ein paar Affen direkt am Straßenrand. Also doch alles nicht so europäisch hier. Auch sehr bemerkenswert sind die Berge. Niemals hätte man in Afrika so unheimlich viele Berge erwartet. Auf der Fahrt vom Flughafen waren diese vom Auto aus gut zu sehen und auch in der Stadt hat man das Gefühl permanent bergauf und -ab zu laufen. Hoffentlich gewöhnen wir uns schnell daran. Dick werden wird so hoffentlich schwer.
Im Hostel angekommen unterschrieben wir unseren Mietvertrag und warteten im Liegestuhl am Pool darauf, dass unsere Vermieterin uns in unser neues Zuhause bringt. Jackie stellte sich dann auch als extrem lieb und nett heraus und fuhr mit uns zu unserem Haus. Dabei zeigte sie uns auch gleich schon mal wo man einkaufen gehen kann, und generell wann wir wie wo am sichersten hinkommen. Zuhause angekommen gab es eine ausführliche Hausführung. Wir haben ein ziemlich großes Grundstück mit Pool und Orangenbaum im Garten und eine kleine Terrasse direkt an unserem Zimmer und Wohnzimmer. Eine große offene Gemeinschaftsküche gibt es auch. Unsere Zimmernachbarin ist Französin und auch sehr nett. Die drei fehlenden Mitbewohner sind momentan im Urlaub. Ein weiterer Mitbewohner wohnt draußen: Woody. Ein sehr süßer und lieber kleiner Hund. Ein kleines Manko gibt es natürlich auch: Das Duschwasser wird solar erhitzt, sodass man wohl erstmal nur tagsüber duschen kann bzw. bis ca. 17.30Uhr, da dann bereits die Sonne untergeht und es dementsprechend kein warmes Wasser mehr gibt.
Wir begaben uns dann noch auf einen kurzen Trip in den Supermarkt und mussten dabei erstmal mit den namibischen Ampeln und dem Linksverkehr klar kommen. Die Ampelschaltung haben wir bisher nicht so ganz durchschaut, aber unsere Mitbewohnerin erzählte uns dann, dass nur diese eine Ampel auf dem Weg zur Mall irgendwie merkwürdig ist und man wohl einfach gucken muss, wann frei ist. Der Supermarkt selbst erstaunte uns dann allerdings doch. So eine große Auswahl würde man in einem Land wie Namibia wohl nicht erwarten. Tatsächlich ist der Supermarkt im Vergleich zu unserem Rewe in Brandenburg ein kleines Schlaraffenland. Es gibt hier sogar Schwarzbrot, dass tatsächlich dem deutschen sehr nahe kommt. Das Auslandssemester ist also gerettet. ;)
Abends entschieden wir uns dann das Fussballspiel im Gemeinschaftsraum zu gucken, statt wie geplant im Hostel oder im Goetheinstitut. Wir waren einfach zu kaputt und froh, dass wir nach dem Spiel ins Bett fallen konnten.
Heute vormittag begaben wir uns dann in die Stadt um die Gegend ein bisschen zu erkunden. Dabei entdeckten wir eine große Einkaufsstraße und den wunderschönen, aber leider viel zu kleinen Zoopark, wo wir auch direkt eine Pause einlegt.
Wir entschlossen uns dann Mittag zu essen und setzten uns in das nächstbeste nett aussehende Restaurant. Kaum schlugen wir die Karte auf, stellten wir fest, dass dieses wohl von 2 Deutschen geführt wurde. Bei einer relativ mürrischen afrikanischen Kellnerin, bestellten wir sodann 2 Pizzen, die auch extrem lecker waren. Auch mein Erdbeermilkshake war einfach nur perfekt. Der Ort nannte sich übrigens Tornado. Da werden wir auf jeden Fall nochmal hingehen.
Morgen wird dann der Rest der Stadt erkundet. Auf dem Plan stehen der Tintenpalast und -park, das Owela Museum und was uns auf dem Weg dorthin begegnet.
Am Montag geht es dann los mit der Uni. Wir sind sehr gespannt. Das Unigelände liegt praktisch direkt vor der Haustür, aber bisher kennen wir es nur von außen und haben uns auch nicht raufgetraut, da ja alles bewacht ist und wir nichtmal Studentenausweise haben. Nun denn, falls ihr es bis hier her geschafft habt: herzlichen Glückwunsch und eine gute Nacht aus Namibia!