Hallo zusammen,

ich habe wieder mal viel  aus den letzten 2,5 Wochen zu berichten. Also der Reihe nach.

Erstmal will ich euch von unserem Besuch im BnC in Katutura erzählen. Das BnC ist eine Art Hort und Schule in Windhoeks township. Unser Mitbewohner Ben unterrichtet dort ehrenamtlich English und Mathe. Wir sind also mit dem Taxi nach Katutura gefahren und haben es auch nach ein paar Minuten sofort gefunden, zum Glück hat Ben uns ausführlich beschrieben wo wir hin müssen. Die ersten paar Minuten interessierten sich die Kinder nicht wirklich für uns, also haben wir erstmal die Gelegenheit genutzt uns alles zeigen zu lassen. Die Klassenräume sind winzig, aber wahrscheinlich völlig ausreichend. Es gab sogar eine kleine Bibliothek und eine Küche.

Dann versammelten sich alle auf dem Hof. Dort gab es dann für alle einen Apfel und ein Peanutbutter und Jelly Sandwich. Die Äpfel gibt es wohl normalerweise nicht. Das war eine Art Aktion, bei der Miss Windhoek in den Schulen Äpfel verteilte. Komischerweise war Miss Windhoek natürlich ein dünnes, weißes, blondes Mädchen.. Darüber kann ich bis heute nicht fertig werden. Jedenfalls haben die Kinder sich extrem über die Äpfel gefreut und auch Mary-Beth die Leiterin war sehr süß. Es wurden nicht alle Äpfel sofort verteilt und so hat sie erstmal den ganzen Essenplan der kommenden Woche umgeworfen. Sowieso ist sie einfach toll. Sie leitet das BnC komplett alleine und kümmert sich um die Finanzierung, größtenteils durch Spenden, und die Freiwilligen. Gerade beim Essen ist sie allerdings auch durchaus streng und achtet darauf, dass keiner damit spielt, sondern entweder sofort und im Sitzen gegessen wird oder aber alles sofort in den Schultaschen verstaut wird.

Nach dem Essen tauten dann auch die Kinder auf und ließen uns gar nicht mehr los. Einer will dies spielen, der andere das. Also spielten wir eine Weile mit ihnen, soweit das denn ging, schließlich zerrten permanent mind. 4 Kinder an jedem von uns. Besonders toll fand ich eine Gruppe von Mädchen (eine von ihnen hieß Julia und konnte gar nicht glauben, dass ich auch so heiße). Die Mädels bastelten diese Papp-Anziehpuppen, mit denen wir früher auch alle gespielt haben. Der entscheidende Unterschied ist allerdings, dass sie keine vorgestanzten Puppen und Kleider hatten, sondern alles selbst auf Papier malten und ausschnitten. Die Kleider wurden dann auf doppelt gefaltetem Papier gemalt, sodass sie auch eine Rückseite hatten und den Papierpuppen übergezogen. Sehr faszinierend. Vor allem, hätte ich nie erwartet, dass mir 6-jährige zeigen müssen, wie man solche Puppen richtig anzieht. Nach ca. 2 Stunden ging es dann für uns auch zurück nachhause. Es war sehr toll und ich denke wir werden sicher versuchen nochmal dort hinzukommen. Besonders beeindruckend war auch wie gut das Englisch der Kinder war. Teilweise haben dort 6-jährige besser englisch gesprochen als meine Kommilitonen an der Poly. Ben meint, dass die Kinder dort auch im Verhältnis zu der anderen Schule, an der er arbeitet, besser englisch sprechen. Vermutlich liegt es daran, dass die Freiwilligen dort fast ausschließlich Amerikaner und Deutsche sind und demnach auch keinen namibischen Akzent haben, sodass die Kinder sich schneller an die Sprache gewöhnen. Falls also jemand einen Praktikumsplatz o.Ä. in Namibia sucht: www.thebncnamibia.com! ;)

Den Rest des Wochenendes habe ich dann in meinem ersten Wochenendkurs verbracht. Der Kurs wurde von einem extrem netten Prof. aus Flensburg unterrichtet und war eigentlich sehr interessant. Mich verwirrt allerdings immer noch, dass hier permanent Telefone klingeln und teilweise auch in der Vorlesung rangegangen wird. Generell waren die Studenten in dem Kurs extrem nett, aber soweit ich das mitbekommen habe, hat keiner bisher irgendwas mit Logistik studiert oder gearbeitet. Zum Glück, dann muss ich wenigstens nicht so viel Angst haben, dass ich hinterherhänge.

Am Dienstag darauf hatte meine Gruppe einen Termin bei der Namibia Brewerie, die Brauerei in Windhoek. Dummerweise war der Mensch, bei dem wir den Termin hatten nicht da und es hatte auch sonst keiner Zeit für uns. So gingen wir also mit dem Versprechen, dass man unsere Fragen per Mail beantworten würde wieder nachhause. (Das Ende der Geschichte, man tat natürlich nichts) Abends waren wir dann mit einigen anderen Studenten, etc. in der Bar auf dem Dach des Hiltonhotels, wo man einen tollen Ausblick über die Stadt hat und den Sonnenuntergang angucken kann. Die restliche Zeit Woche habe ich eigentlich mehr oder weniger komplett im Bett verbracht. Das trockene Windhoek-Klima und die kalten Nächte taten mir wohl nicht so gut. Am Freitag sollte ich eigentlich einen Test schreiben und die Präsentation über die NamBreweries halten und nachmittags war auch noch die Welcome Veranstaltung des International Office. Dummerweise bekam ich Fieber, sodass Bastian und ich erstmal versuchten meinen Prof zu erreichen. Leider hat er scheinbar in Namibia kein Telefon gehabt. Im Laufe des Nachmittags wurde es auch nur schlimmer. Netterweise hat der Praktikant des Logistikfachbereichs, dem Prof direkt Bescheid gesagt, sodass ich dann doch noch mit ihm wegen dem Test sprechen konnte und diesen nun irgendwie nachholen werde.

Anfang der nächsten Woche ging es mir auch langsam wieder besser und ich konnte auch wieder in die Uni. Am Freitag ging es dann um 18Uhr mit dem Bus Richtung Norden nach Ongwediva. Ben hatte bei seinem Ausflug nach Victoria Falls im Hostel eine Namibianerin kennengelernte, welche uns alle zu einer Hochzeit eingeladen hat. Nach 8-9 Stunden Busfahrt kamen wir gegen 4 Uhr dort an und versuchten noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor am nächsten Tag vormittags die eigentliche Hochzeit stattfinden sollte. Da Jungs und Mädchen dort getrennt schlafen, übernachtete ich bei unserer Gastgeberin Nanii im Zimmer und wir erzählten natürlich noch ein bisschen. Z.B. dass sie einen 2-jährigen Sohn hat und dass die Braut eine ihrer besten Freundinnen ist, weswegen sie sich auch nicht zu sehr über die Hochzeit freut. Scheinbar dürfen verheiratete Frauen dort keine Sleepovers mit ihren Freundinnen haben etc. Generell haben die Frauen in der Ehe eher wenig zu sagen. Naniis Mom (die eigentlich eine der moderneren Afrikanerinnen ist) erzählte uns z.B. dass wenn der Mann nachts um 2 nachhause kommt, die Ehefrau aufstehen muss, um ihm das Essen warm zu machen.

Wir standen also früh auf um pünktlich für die Hochzeit, welche um 10 Uhr beginnen sollte fertig zu sein. Nun denn African Standard Time kamen wir also um 12.10 Uhr bei der Kirche an. Und waren natürlich zu früh. Allerdings mussten wir auch nicht allzu lange warten, bis das Brautpaar auftauchte. Da es eine christliche Hochzeit war, trug die Braut auch ein wunderschönes weißes Kleid. Der größte Teil der Hochzeit fand in Oshivambo statt, sodass ich eigentlich auch gar nicht soo viel erzählen kann, weil ich nichts verstanden habe. Generell ist es wohl so, dass die Hochzeit und die erste Feier hier von den Eltern der Braut organisiert werden. Bis auf den Bräutigam und das Kleid hat die Braut nicht allzu viel Mitspracherecht. Die Trauung ging ca. 2 Stunden, was wohl noch sehr kurz sein soll.

Nach der Trauung wurden dann Fotos gemacht. Danach ging es zur ersten Feier bei der Familie der Braut. Dort angekommen muss das Brautpaar unter einem Baum auf die Gäste warten. Dann gibt es noch eine “kurze” Zeremonie und die Gäste dürfen die Geschenke überreichen. Lustigerweise tragen alle die Geschenke auf dem Kopf, was es damit genau auf sich hat, habe ich leider nicht rausgefunden. Wenn alle Geschenke überreicht sind, begeben sich alle in ein Zelt, wo die eigentliche Feier stattfindet. Die Feier an sich lief ähnlich wie auch in Deutschland oder Amerika.

Wir gingen ca. um 19.30 Uhr und fuhren in das Dorf, in dem Naniis Familie lebt. Dort sollte am Sonntag die zweite Feier bei der Familie des Bräutigams (Naniis Cousin) stattfinden. Der Weg dahin war eine ziemlich lange, ziemlich ruckelige gravel road, die in der Regenzeit komplett unter Wasser steht.

In dem Dorf angekommen musste man uns erstmal alles erklären. Es stellt sich raus, dass dort unter einem “Haus” eine Art Bungalow-Siedlung verstanden wird. So hat jedes Kind dort sein eigenes Bungalow, das normalerweise nur aus einem Raum und evtl. einer Küche und/oder Bad besteht.  Wenn die Kinder heiraten, zieht die Frau normalerweise zu ihrem Ehemann. Allerdings wohnen die meisten nicht mehr wirklich in diesen Dörfern, sondern in Windhoek oder Swakop und kommen nur zu den Feiertagen zurück nachhause.

In dem Dorf übernachtet wir dann auch. Dort gibt es keinen Strom und nur kaltes Wasser zum Duschen, was aber gar nicht weiter schlimm ist, weil die Temperaturen in Nord-Namibia eh um einiges angenehmer sind als in Windhoek.

Am nächsten Vormittag waren dann alle mit Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt. Es wurden Unmengen von Nudel- und Kartoffelsalaten, etc. vorbereit. Das alles natürlich über einem Feuer, weil die Herde viel zu klein für die riesigen Töpfe wären. Nachdem alles fertig vorbereitet war, gab es noch Mittagessen bevor sich dann alle fertig machten. Da die Feier diesmal bei der eigenen Familie war, trugen alle ihre traditionellen Kleider. Größtenteils pink-schwarze gestreifte Kleider mit Rüschen etc. Ein Traum! Irgendwoher muss ich auch noch so ein Kleid bekommen.

Wir fuhren dann also zu der Familie des Cousins. Dort fand am Vormittag schon die traditionelle Kuh-Schlachtung statt. Zum Glück sind wir erst so spät angekommen. Zwar hing die Kuh bzw. die Kühe noch am Stück über dem Grill, aber das Ganze war vom Rest abgetrennt, sodass man es nicht wirklich sehen musste. Am frühen Nachmittag wurde dann die Braut abgeholt. Es ist Tradition, dass die Braut am Tag der Hochzeit bei ihrer Familie übernachtet und der Bräutigam bei seiner. Die erste Feier bei ihrer Familie soll sozusagen die Tochter freigeben und bei der zweiten Feier wird sie in ihre Neue Familie aufgenommen.

Als die Braut dann ankam, saß das Brautpaar wieder unter einem Baum und diesselbe Zeremonie vom Vortag ging von vorne los. Während wir also dort standen und zuguckten, sprach mich ein afrikanisches Mädchen an, das einfach nicht glauben wollte, dass meine Haare tatsächlich echt sind. Nach ca. 5 Minuten konnte ich sie dann doch überzeugen, woraufhin sie dann nicht nachvollziehen konnte, warum ich meine Haare nicht flechte.. Weiße sind auf den Dörfern im Norden generell eine Seltenheit. Ich gehe davon aus, dass Blonde dort so gut wie nie auftauchen. (Und dank der afrikanischen Sonne bin ich mittlerweile wieder sehr blond)

Nun denn nach der Zeremonie gingen wir mit den anderen Gästen in das Feierzelt. Auf dem restlichen Gelände waren noch einige andere Zelte aufgestellt, u.A. eins für die Kinder aus dem Dorf. Dort bekamen sie auch essen etc. Hauptsächlich wird dies wohl gemacht, damit es keinen Ärger in dem großen Zelt gibt. Naniis Mama meinte, dass am ersten Tag wohl ca. 600 Leute bei der Hochzeit waren. Mir persönlich kam es so vor als waren am 2. Tag sogar noch mehr Leute dort.

Die Feier war dann auch wie am Tag zuvor wieder relativ normal, nur dass es etwas früher los ging. Gegen 18 Uhr mussten wir uns dann auch auf den Weg zum Bus machen, um wieder nach Windhoek zu fahren. Kurz davor wurde noch der Brautstrauß geworfen und wie scheinbar überall prügelten sich auch hier die Bridesmaids wie verrückt. Die Torte wurde dann auch noch angeschnitten, allerdings gibt es diese erst relativ spät abends, sodass wir leider keine bekommen haben. Nanii erzählte aber auch, dass es die richtige Torte sowieso nicht gibt, sondern “nur” Cupcakes, welche schon auf einem Nebentisch standen. Warum konnte man uns aber auch nicht erklären.

Also machten wir uns auf den Weg zum Bus. Dieser kam auch halbwegs pünktlich, sodass wir wieder vor der eigentlichen Ankunft um 5.30 Uhr in Windhoek ankamen. Dort machten wir uns durch die Eiseskälte auf den Weg nach Hause.

Da diese Woche das Cultural Festival an der Poly ist, welches am Montagmorgen mit der Parade eröffnet werden sollte, versuchten wir noch ein paar Stunden zu schlafen. Ich versuchte dann mich ein wenig an die African Time anzupassen und war um 9.15 (statt 8 Uhr) am Endpunkt der Parade. Natürlich war weit und breit nichts davon zu sehen. Also setzte ich mich auf die Bänke auf dem Campus und wartete in der Sonne. Dummerweise ist das keine allzu gute Idee. Innerhalb der 30 Minuten, die ich dort saß, sprachen mich 4 verschiedene Typen an. Selbst darauf, dass ich auf meinem Freund warte, reagiert man hier nicht. Also lief ich ein bisschen auf dem Campus rum. Ich wagte mich dann doch tatsächlich 10 Sekunden stehen zu bleiben und schwupps kam der nächste an. Das war mir dann doch etwas zu viel und ich verzichtete auf die Parade und ging zurück ins Bett. Dank der Malaria-Prophylaxe und extremen Müdigkeit habe ich natürlich nicht besonders gut geschlafen, aber immerhin konnte ich ein bisschen Schlaf vom Wochenende wieder aufholen.

Morgen verlässt uns unsere nächste Mitbewohnerin Allie und an der Poly ist International Cuisine Day. Ich bin sehr gespannt, obwohl ich keine großen Hoffnung für vegetarisches Essen habe, aber es soll koreanisch geben, da könnte eventuell eine geringe Chance bestehen. Ich werde euch berichten.

Was Fotos angeht, habe ich beschlossen diese nicht weiter hier hochzuladen, weil ich einfach nicht mit dem bearbeiten etc. hinterherkomme. Stattdessen werde ich meine Dropbox benutzen. Wer den Link haben möchte, kann mir also gerne eine Mail schreiben.

LG